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Die börsenotierte Wiener Ottakringer Brauerei entwickelt sich offenbar besser als die Branche: Während Österreichs Brauwirtschaft im ersten Quartal des Jahres einen dramatischen Absatzeinbruch von 10,1 Prozent schlucken musste, schaffte Ottakringer im Inland ein kleines Plus von 0,6 Prozent, wie das Unternehmen mitteilte.
Ottakringer profitiere vom Trend zu österreichischen Familienunternehmen und habe bei den Bier-Liebhabern damit punkten können, dass es das erste Bier mit AMA-Gütesiegel sei, begründet Brauerei-Chef Siegfried Menz unter anderem, warum das Wiener Familienunternehmen der Krise trotzt.
Gute Nachrichten gibt es für Ottakringer auch in der sogenannten "Schwarzbier-Affäre". Der Prozess gegen Menz und drei weitere Brauerei-Manager endete Ende April mit einem Freispruch. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig, erklärte Christian Gneist, der Sprecher des Straflandesgerichts, der APA. Den Angeklagten habe ein konkreter Tatbeitrag zu den in der Anklage aufgezeigten Punkten nicht nachgewiesen werden können. Der Vorwurf lautete dahingehend, dass zwischen 1995 und 1998 Wirte mit nicht versteuerten Getränkelieferungen versorgt worden wären, um ein Abwandern zur Konkurrenz zu verhindern. Der inkriminierte Schadensbetrag lag bei rund 1 Mio. Euro.
Die börsenotierte Ottakringer Brauerei konnte im ersten Quartal 2009 im Inland entgegen dem Branchentrend um 0,6 Prozent mehr Bier verkaufen, der Gesamtverkauf ging aber um 1,7 Prozent auf 153.500 Liter zurück. Verantwortlich dafür war ein Minus von 12,4 Prozent auf 26.200 Hektoliter bei den alkoholfreien Getränken, geht aus der Zwischenmitteilung des Vorstandes zum ersten Quartal hervor. Der Umsatz erhöhte sich um 1,9 Prozent auf 16,7 Mio. Euro.
Plus 13,3 Prozent beim Export
Der Ottakringer-Bierabsatz im Inland belief sich auf 123.900 Hektoliter (+0,6) Prozent. Der Export stieg um 13,3 Prozent auf 3.400 hl. Insgesamt setzte das Wiener Familienunternehmen somit 127.300 Liter ab, ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten 2008. Der Rückgang im Segment "Alkoholfrei" wird auf eine "zunehmend aggressive Preispolitik der Wettbewerber" zurückgeführt.
Insgesamt wurde in Österreich in den ersten drei Monaten 2009 deutlich weniger Bier abgesetzt: Die Branche musste laut Ottakringer im ersten Quartal ein Minus von 10,1 Prozent auf 1,76 Mio. Hektoliter bei Bier und alkoholfreiem Bier hinnehmen. "Als wichtigste Ursachen gelten demzufolge das im Jahresvergleich schlechtere Wetter, das gesetzliche Rauchverbot und die konsumpsychologischen Auswirkungen der Wirtschaftskrise", heißt es in der Zwischenmitteilung. Nach Gebindearten gab es bei der 0,5 Liter-Dose den stärksten Rückgang (-14,5 Prozent). Bei der 0,33l-Einwegflasche gab es ein Minus von 7,1 Prozent. Die 0,5l-Mehrwegflasche wurde um 9,8 Prozent weniger verkauft, Fassbier um 7,7 Prozent.
Deutlicher weniger gefragt waren heuer der alkoholfreie Radler (minus 30,9 Prozent), alkoholfreies Bier (minus 23,3 Prozent) und Leichtbier (minus 23,0 Prozent). Ablegen musste aber auch die Lieblingssorte der Österreicher, also Lager/Märzen mit minus 8,8 Prozent. Im Minus liegen auch Pils (3,5 Prozent weniger), Spezialbiere (9,8 Prozent weniger) und Weizenbiere (12,3 Prozent weniger).
Bei Ottakringer seien auch die ersten Wochen des zweiten Quartals vielversprechend gelaufen. Das Feedback der Kunden stimme "durchwegs optimistisch". Für das Gesamtjahr 2009 gehe man davon aus, dass das um Sondereffekte (wie Immobilienverkäufe) bereinigte Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zumindest auf dem Vorjahresniveau liegen werde.