HomeServices / Top News / APA-News

APA News

11.08.2017 13:56
Fipronil: Rückholaktion und Stichprobenkontrollen in OÖ


Eierimporte werden gepüft, Foto: APA/dpa

Nach dem Auftauchen von nach Österreich importierten Eiern, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sein könnten, ist in Oberösterreich eine Rückholaktion angelaufen. Außerdem gab es Stichprobenkontrollen der Lebensmittelaufsicht. Das teilte der zuständige Landesrat Rudi Anschober (Grüne) am Freitag mit. Alle mit der Thematik befassten Offiziellen rieten in Reaktionen zu heimischen Eiern.

Bei zwei Großhändlern, die mehrere Hundert Kilo gekochte und geschälte Eier von in Deutschland als betroffen geltenden Chargen für die heimische Gastronomie importiert hatten, war eine Rückholaktion in der Umsetzung. Bei einem Betrieb war dies am Freitag schon vollständig abgeschlossen, weil die Packungen noch gar nicht ausgeliefert worden waren. Gezogene Proben wurden zur Analyse an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) weitergeleitet. Ergebnisse seien werden für Anfang kommender Woche erwartet.

Gleichzeitig überprüfte die Lebensmittelaufsicht in Oberösterreich Betriebe, die stark im Eier-Import tätig sind. Vorerst wurden 25 Proben gezogen, die ebenfalls bis kommende Woche analysiert werden. Anschober erklärte: "Wichtig ist die Feststellung, dass nach bisherigem Informationsstand Frischeier im Handel direkt für die Konsumenten derzeit nicht betroffen sind". Alle österreichischen Produkte hätten sich bei Beprobungen als "sauber" erwiesen.

Anschober, ÖVP-Bauernbundpräsident Jakob Auer, der oö. Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger (ÖVP), der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber, und der Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, Franz Reisecker, rieten deshalb zur Verwendung heimischer Eier. Sie forderten darüber hinaus, nur eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung auch bei verarbeiteten Lebensmitteln und in der Gastronomie sowie in Großküchen biete Sicherheit.

Kein Fipronil in Österreich gefunden

Die AGES hat bisher (Stand 11.08.2017) Frisch-Eier, Backwaren, Hühnerfleisch, Kekse, Mayonnaise, Teigwaren und Waffeln aus dem österreichischen Einzelhandel auf Fipronil untersucht. "Alle bisherigen Ergebnisse waren negativ, das bedeutet, es konnte kein Fipronil in den Lebensmitteln nachgewiesen werden", teilte die AGES am Freitag gegenüber der APA mit.

Die von den Lebensmittelbehörden der Länder gezogenen Verdachtsproben würden derzeit von der AGES untersucht. Die Ergebnisse würden den Landesbehörden übermittelt werden, die bei Bedarf weitere Maßnahmen würden, hieß es. Die Tests laufen in einem Labor der Agentur in Innsbruck ab, wohin die von den Behörden gezogenen Proben geschickt werden. Die Untersuchungen dauern rund drei Tage. Die Methodik dazu sei vorhanden, man könne damit auch sehr geringe Konzentrationen an Fipronil nachweisen.

Die EU-Kommission will am 26. September ein Krisentreffen zu dem Fipronil-Skandal um mit Insektizid verseuchte Eier abhalten. Eine EU-Kommissionssprecherin sagte am Freitag in Brüssel, alle betroffenen Staaten sollten an dem "hochrangigen Treffen" teilnehmen.

Die Sprecherin sagte, das Treffen sollte mit einer gewissen Distanz zu den gegenwärtigen Vorgängen stattfinden, auch sollten bis dahin alle Fakten geklärt sein. Ziel sei es aus den derzeitigen Fällen Lehren zu ziehen und zu schauen, wie das EU-System für Lebensmittelsicherheit verbessert werden könnte.

In Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich wurden nach Angaben der EU-Kommission wegen dem Fipronil-Skandal bisher landwirtschaftliche Produktionsstätten geschlossen. Verseuchte Eier seien bisher nach Schweden, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Irland, Italien, Luxemburg, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien und Dänemark exportiert worden. Außerhalb der EU seien mit Fipronil verseuchte Eier auch in der Schweiz und in Hongkong festgestellt worden.

Statistisches

Aus den Niederlanden wurden 2016 rund 3.588 Tonnen Eier (in der Schale frisch, gekocht, haltbar) nach Österreich geliefert, teilte die Statistik Austria auf APA-Anfrage mit. Aus Deutschland wurden 7.678 Tonnen und aus Polen 3.719 Tonnen importiert.

Österreich führte im vergangenen Jahr gar keine Eier aus Belgien ein. Insgesamt wurden 2016 rund 21.600 Tonnen Eier ins Land gebracht. Österreich importiert aber verhältnismäßig wenige Eier und Eiprodukte. Rund 84 Prozent des Inlandsverbrauchs können mit heimischer Produktion gedeckt werden. Zuletzt lag die österreichische Eierproduktion bei rund 111.000 Tonnen.

Die jährliche Eierproduktion in Österreich liegt laut Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG) bei rund 1,8 Mrd. Stück, der gesamte österreichische Konsum bei rund 2 Mrd. Stück. Von den 6,5 Millionen Legehennenplätzen entfallen elf Prozent auf biologische Erzeugung, 21 Prozent auf Freilandhaltung und 66 Prozent auf Bodenhaltung. Der Pro-Kopf-Verbrauch (inklusive verarbeitete Produkte mit Ei) beläuft sich in Österreich auf 235 Eier oder 14,5 Kilogramm. Die Wertschöpfung der Eierwirtschaft beziffert die ZAG mit rund 240 Mio. Euro.

Rund 4.800 Tonnen Vogeleier ohne Schale, Eigelb frisch oder getrocknet, importierte Österreich im Jahr 2016, davon 2.577 Tonnen aus Deutschland und 753 Tonnen aus den Niederlanden sowie 120 Tonnen aus Belgien.

Eipackstellen mit AMA-Gütesiegel, AMA-Biosiegel oder "Tierschutz geprüft" nehmen an der österreichische Eierdatenbank teil und ermöglichen eine lückenlose Nachvollziehbarkeit. Für in der Nahrungsmittelindustrie verwendete Eiprodukte gibt es aber in der Europäischen Union keine Herkunftskennzeichnung. Die Landwirtschaftskammer fordert seit Langem hierzulande eine Eier-Kennzeichnung in der Gastronomie und bei verarbeiteten Produkten.